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09.04.2014

Nachlese 7. Schartners Samstag - Spätburgunder Bernhard Huber

VEREHRTE DAME, WERTE HERR,

ES KOMMT NICHT OFT VOR, DASS „STILLE MENSCHEN“ MEHR ZU ERZÄHLEN HABEN ALS MITTEILSAME. AM 22. MÄRZ 2014, BEIM 7. SCHARTNER SAMSTAG, WAR DIES DER FALL.
Ein menschlich und fachlich ganz Großer war zu Gast: BERNHARD HUBER (www.weingut-huber.com)
Bernhard, dem es beinahe peinlich ist, über sich, sein Weingut und über seine Weine zu erzählen, ist ein Protagonist, dem man nach den ersten Sätzen seine Aussagen sofort „abnimmt“.
Ruhig erzählt er über die Geschichte seines Weingutes, dessen Entwicklung und den immer wieder neuen Fortschritten, die eine ständige „Reorganisation“ des Unternehmens erzwangen. Mit seiner lieben Frau Bärbel wollte und will er vorankommen, den Betrieb für die nächste Generation aufstellen, den Weinbau als Ganzes besser verstehen, sich auf Entdeckungen einlassen, den Vertrieb internationalisieren, die Weine einfach immer besser machen.

Ohne breite Winzerbrust ging er seinen Weg, der mit dem Wein-Jahrgang 2004 eine nochmals dramatische Änderung mit sich brachte. Ausbau der Spätburgunder Einzellagen: Bienenberg, Sommerhalde, Schlossberg und die Wildenstein. Eine Herausforderung, die er wie kein Zweiter gestemmt hat.
Ich behaupte, erst dieser Schritt, hat ihn zu dem werden lassen, was er heute ohne Zweifel national und über die Grenzen des Landes hinaus ist: ein wahrer „Meister“ in der Kelterung und im Ausbau der Rebsorte Spätburgunder bzw. Pinot Noir (ebenso beim Chardonnay).
Nur wenigen ist es aus der Schöpfung heraus gestattet ein „Leuchtturm“ in ihrem Tun zu sein. Ich darf mir nicht erlauben, subjektiv Einzelne namentlich aufzuzählen, aber meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass Bernhard Huber dazuzuzählen ist.

Mit einem Handkuss an Deine daheimgebliebene Bärbel und einer tief empfundenen Dankbarkeit von meiner Frau und mir an Dich Bernhard, versprechen wir, solange wir Weinhändler und –trinker sind, wird es einen Platz für Huberweine in unserem Sortiment geben!

Natürlich gab es auch wieder besondere Speisen. Dieses Mal bekochten uns VOLKER und SUSANNE ALDINGER von der Weinstube Germania (www.aldingers-germania.de) aufs Vortrefflichste und wahrlich gutbürgerlich (die schlossen extra Ihr Restaurant für dieses Außerhaus ab)!
Kalbsnieren im eigenen Fettmantel im Ganzen gebraten (dies ist KÜCHENKUNST) mit Kartoffelpüree und feinem Sößle und als süßes Finale eine perfekt karamellisierte Grieß-Schnitte mit Apfelmus.

Serviert und eingeschenkt haben unser Freund „Obi“ Oberkamm, Memet Akgul, Christiane Schartner nebst Herrn Karl.


GESTATTEN SIE MIR NUN EINE KURZE ZUSAMMENFASSUNG DER GETRUNKENEN WEINE:
Elegant erfrischendes zum Apero: 2005 Schlossberg Pinot Brut Rosé – einer der feinsten Prickel des Landes – formidabel!

Wir begannen mit einer 1990 Spätburgunder Reserve. Ein zarter Heublumenduft wurde von einer unaufdringlichen Reife-/Altersfrucht begleitet. Erdbeermarmelade und zarte Fruchtsäure. Im rechten Glas hatten wir einen 1994er SB Alte Reben. Bernhard ließ zwei halbe Flaschen zusätzlich öffnen und siehe da, in der Kleinflasche waren die „kurzgeöffneten“ besser als die vorkaraffierte Magnum zusammen mit Halben. Die etwas vegetatiblen Noten verschwanden zusehens und der Wein wurde besser und besser.

2000 SB Reserve versus 2001 SB Reserve. Beide Weine noch mit reichlich Substanz, wenngleich der 2000er mit seinen herrlichen Aromen nach Himbeeren und Malz den 01er etwas ausstach. Beide Weine haben noch ein Potential von 3-5 Jahren und sind aber jetzt schon vortrefflich zugänglich.

Die dritte Serie war 2002 SB Reserve und 2003 SBReserve. Der 02er wirkt wie ein Gevrey-Chambertin Village oder 1er Cru. Feinst ziselierte Frucht ging einher mit deutlichen Bodentönen und mineralischen Komponenten. Im Gegensatz zeigt der 03er in Parade seinen Jahrgang. Bernhard hat zwar das damalige Zulassen von Säuerung verteidigt, wir waren uns jedoch weitgehend einig, dass auch dieser Wein, bei allem Genuss, diesen „Eingriff“ nicht verarbeitet hat. In Vergleich mit Mitbewerbern und deren Weine des Jahrgangs 2003 ist Hubers Wein hervorragend – aber – auch hier lässt die Balance von Alkohol, Frucht und Säure zu wünschen übrig.

Die nächsten 3 Zweierflights lassen Sie mich nicht zerreden, sondern bitte nur auf die außergewöhnlichsten Eindrücke eingehen.
Bernhard lies servieren: 2006 Bienenberg Großes Gewächs, 2007 und 2008 Wildenstein Reserve, 2009 Hecklinger Schlossberg Großes Gewächs, 2010 und 2011 Wildenstein Reserve.

Vorweg: all diese Jahrgänge zeigten eines – das große Alterungspotential, das Spätburgunder des Weingutes Huber haben.
Was immer Sie noch in die Weine interpretieren mögen, sie besitzen: johannisbeerrote Farbe, rote Beeren-Fucht, Muschelkalk und „eisenhaltige“ Finesse, charaktervolle Gerbsäure, Gewürzaromen, Kräuter, feine Struktur und doch Fülle, vitale Nervigkeit und eine wollüstige Trinkigkeit.

Jeder dieser Weine gehört in seiner Art zu den besten jedes Jahrgangs in ganz Deutschland.

BERNHARD, DANKE FÜR DIESES AUßERGEWÖHNLICHE WEINTRINKEN, -ERLEBEN UND –GENIEßEN.

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