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03.12.2013

NACHLESE 6.SCHARTNERS SAMSTAG - SPERSS VON ANGELO GAJA

11 Jahrgänge SPERSS aus dem Hause Gaja, begleitet von einem formidablen Brasato meines Freundes Obi Oberkamm (www.augustenstueble.de) und einer ausgezeichneten Engadiner Nusstorte, serviert von meiner Frau Christiane, von Frau Helga Schröder und unserem besten Memet Akgul.

1988 kaufte die Familie Gaja eine 12 ha grosse Spitzenlage in Serralunga und nannte sie Sperss, was im Piemontesischen Sehnsucht bedeutet, Sehnsucht nach dem kraftvollen Nebbiolo aus Serralunga. Erstjahrgang: 1988.
Seit langem werden in Serralunga herausfordernde Baroli mit grossartiger Struktur und Persönlichkeit hergestellt. Es sind Weine, die schon damals von vielen Weinkennern in der Umgebung sehr geschätzt wurden.

SPERSS DOC
Herkunft - Barbaresco, Piemont, Italien
Produzent -  Angelo Gaja
Sorten - 94 % Nebbiolo, 6% Barbera
Weinberge - 20 ha in südlicher Ausrichtung in Serralunga im Barolo Gebiet auf einer Höhe von 985 m ü. M.
Boden - Mergel, Lehm durchsetzte Lösböden, Kalkstein
Vergärung, Ausbau - Vinifikation 3 Wochen im Stahltank, Ausbau 12 Monate in zum Großteil neuen Barrique und danach 18 Monate in grossen Eichenfässern
Weinwerte - um 14 % Vol Alkohol
Trinkzeitraum - in grossen Jahren bis zu 40 Jahre
Service - 17°C, Bordeauxglas von Riedel der Serie Vinum

HIER UNSERE KURZE ZUSAMMENFASSUNG DER EINDRÜCKE UNSERER GÄSTE UND MEINER MEINUNG OB DIESER PREZIOSEN
2009 ein Jungspund mit noch strabbeligen Tanninen, frischer Fruchtsäure und verschlossener Nase, dieser sehr gute Wein wird erst in 4-5 Jahren sich ein wenig offener zeigen und dann den herben Charme seiner Herkunft andienen.
2008 schon ein wenig zugänglicher, in der Nase klare Nebbioloaromen, schwarze Beeren, Pflaume, Rauch, Holz, in jetzigem Stadium zeigt er einen etwas volleren Körper als der 09er, jedoch auch noch mit reichlich Potenzial auf Jahre. Ebenfalls ein Wein für die Zukunft. Wer auf 08 und 09 nicht mehr warten kann oder will – sollte diese nicht mehr kaufen und sich den jahrgangsmäßig schon reiferen zuwenden – auch wenn diese teurer sind!
2007 dunkles Rubinrot, herrlicher Duft nach Johannisbeeren, Eukalyptus, Eisenkraut, anmutend wie ein Cabernet Sauvignon, schon sehr charmant und zugänglich, jedoch auch noch „fleischige“ und kompakte Textur. Klasse Wein mit noch reichlich Versprechen für die Zukunft.
2004 eine ein wenig schlankere Ausgabe eines Sperss mit dunkelrotem Granat, herb vegetabilen Nuancen nach Eisenkraut, Noten von süßen Preiselbeeren und Lakritze, charmant, jedoch nicht so einnehmend wie seine Jahrgangskollegen, ein mittelgewichtiger Wein, der in den nächsten 5-8 Jahren getrunken sein sollte.
2003 Surprise! Was für eine Pracht aus einem so schwierigen „Hitzejahr“, in dem es sehr viele üppige Rotweine gab. Kirschenmarmelade, Toffee gepaart mit frisch anmutender Weinsäure, da zeigt der „Meister Gaja“, was in diesem Jahr bei entsprechender Weingartenarbeit und dem richtigen Lesezeitpunkt möglich war.
2001 Leider hatten wir unterschiedlich mundende Flaschen, eine war exzellent und eine wurde mit kräftigem Schwenken im Glas immer besser und eine hatte deutliche Stallnoten (by the way: alle Weine wurden am Vortag um 16:00 Uhr geöffnet und vorverkostet), die sich jedoch auch fast verloren. Dunkler Farbkern mit frischem Duft herber Johannisbeeren, schlankerer, doch guter Stoff. Unsere Weintrinker waren bei diesem Wein zwischen Ablehnung und Juche weit auseinander in Ihrem Empfinden.
2000 dieser hochgelobte Jahrgang – auch im Piemont. Vorweg – deutlich besser als erwartet, war dieser Sperss ein geschmackvoller, eleganter, vollmundiger und fruchtiger Wein, jedoch fehlte der letzte „Druck“. Möglicherweise wird dieser Wein von vielen Weintrinkern bevorzugt, die Tannin nicht so schätzen und einen weicheren Geschmack präferieren.
1999 ein klassischer Baroloschmecker, sortenbezogener Nebbioloduft nach Teer, Rauch, nicht ganz reifen Brombeeren, Süßholz, diese Komponenten zeigen sich auch am Gaumen – mit viel Finesse und Subtilität. Sehr überzeugend mit reichlich Qualität auf Jahre, ein Wein mit „Zwischentönen“, ein Wein für
Trink-Fortgeschrittene.
1998 Sehr dunkler Wein mit deutlicher Lakritznase, schwarze Kirschen, kräftig herbe Neigung mit reichlich Toast und Holz, das sich jedoch schon weitgehend eingebunden hat und so dem Wein zusätzlich Charakter verleiht. Toller Sperss mit sicherlich noch 10-12 Jahren bei guter Lagerung.
1997 nicht umsonst so gerühmter Wein. Was für eine klasse Textur mit dunkelroter Farbe und noch immer schwarzen Reflexen, Pflaumen, Bitterschokolade, schwarze Kirschen, Likör, vollmundig, ein Wein der „trinkgierig“ macht, geröstete Haselnüsse, Trüffel,  etwas frische Erde, ein multi-dimensionaler, opulenter Wein mit unglaublichen Druck am Gaumen. Wer diesen Wein noch zum Kaufen findet, trinkt am besten jetzt bis 2027 und die Magnum bis 2035.
1995 wäre nicht der überragende 97er, wäre dies der Wein des Nachmittags gewesen, perfekt gereifter, likörartiger, nach ein wenig Rumtopf duftender und schmeckender Nebbiolo, das letzte Jahr mit Barolobezeichnung dokumentiert die Großartigkeit dieser Weinlage und verbreitet wirklich „Sehnsucht“ nach diesem Tropfen, Espresso, vollreife Zwetschgen, Tabak und mineralische Komponenten – wie ich immer sage – mit diesem Jahrgang war Gaja wieder auf Qualitätsspur!

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